Streuobst – Landschaftspflegeverband Eichsfeld-Hainich-Werratal e.V.

Obstalleen erhalten – Bestäuber fördern

Biotopverbund zwischen und in den Schutzgebieten und der Agrarlandschaft zur Förderung der Insektenbestäubung

Streuobstwiesen erfreuen in Vollblüte Spaziergänger und erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie sind halboffene Landschaften, die sowohl Lebewesen lichter Wälder und natürlicher Waldsäume als auch Arten des Offenlandes als Lebensraum dienen. Gerade durch diese Strukturvielfalt können Streuobstwiesen eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen. Es gibt Bestände, auf denen über 1.000 Insekten- und Spinnenarten nachgewiesen wurden!

Am offensichtlichsten ist der Nutzen von Streuobstwiesen für pollen- und nektarsammelnde Insekten wie Wildbienen, die zur Blütezeit von Bäumen und Kräutern ein reiches Angebot finden und ganz nebenbei wichtige Bestäubungsarbeit leisten. Die Larven von Schmetterlingen, Käfern und Blattwespen laben sich an den Blättern der Bäume. Darüber hinaus bieten insbesondere die dicken Äste und Stämme älterer Bäume mit ihrer rissigen, teils mit Moosen und Flechten bewachsenen Borke reichlich Verstecke für vielerlei Insekten und Spinnentiere. Auch Höhlenbrütern wie Blaukehlchen bieten sehr alte Bäume oft ein Zuhause. Die große Insektenvielfalt bildet die Nahrungsgrundlage für Tierarten, die weiter oben in der Nahrungspyramide stehen. Vögel wie der stark gefährdete Gartenrotschwanz oder Fledermäuse sind nur einige hiervon.

Obstbaumreihen in der Agrarlandschaft bieten zusätzlich Schutz vor Winderosion, wirken als Schattenspender und dienen als wichtige Lebensräume. Sie sind die „Trittsteine“ zwischen den Streuobstwiesen. Streuobstwiesen sind ein altes Kulturgut und prägen unsere Landschaft vom Eichsfeld bis in den Wartburgkreis. Streuobstbestände sind aber aufgrund von Überalterung, mangelnder oder falsche Pflege und ausbleibender Nachpflanzung, in den letzten 30 bis 50 Jahren, in einem mangelhaften Zustand und somit mit ihrer gesamten Vielfalt stark gefährdet.

Das Obst wird wenig bis gar nicht geerntet und verwertet, ebenso sind die Flächen nicht mehr für die immer größer werdenden landwirtschaftlichen Maschinen geeignet und liegen oft brach und verbuschen Zunehmens.

Deshalb soll durch gezielte Maßnahmen im gesamten Projektgebiet des LPV (entspricht der Naturparkkulisse Eichsfeld-Hainich-Werratal), mit Streuobstflächen von ca. 1.000 Hektar, die Obstbestände und der Biotopverbund gefördert werden. Das bedeutet ausgewählte Obstbaumbestände und -reihen in der Agrarlandschaft zu pflegen und neu zu pflanzen, insbesondere unter dem Aspekt des Verbundsystems. Die Pflege der Altbäumen erfolgt von ausgebildeten Baumwarten nach den Standards des Handlungskonzeptes Streuobst Thüringen des Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz.

Nachhaltigkeit ist im Projekt ein zentraler Punkt. Um diese zu gewährleisten gibt es für gepflanzte Jungbäume eine Zweckbindungsfrist von 12 Jahren. Auch Nistplatzangebote wie Bienenhotels, Lehm- und Steinhaufen werden für Blütenbestäuber angelegt. Qualifizierungsmaßnahmen von Akteuren vor Ort, wie Gemeindearbeitern, Mitglieder ortsansässiger Vereine und Eigentümer, durch tages- bis  mehrwöchige Schnittkurse zu Baumwarten, ermöglichen die nachhaltige langfristige Pflege. Durch aktive Menschen vor Ort, im idealen Fall durch Aktionen wie das Bauen von Wildbienenhotels oder gemeinsames Apfelsaftpressen, rücken die Streuobstwiesen wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung.

Um einen klaren Fokus auf den Gefährdungsgrad von Wildbienen zu legen, einen positiven Effekt zu bewirken, diesen nachzuweisen und einen Wissensanstieg für weitere Insektenprojekte zu erhalten, wird eine Evaluierung der Projektergebnisse über die Wildbienenerfassung erfolgen.