Streuobst in der Region erhalten und fördern
Der Landschaftspflegeverband unterstützt mit Förderprojekten Streuobstbestände (weitere Informationen). Das bedeutet zunächst für einen Teil der Streuobstflächen von ca. 1.000 Hektar in der Gebietskulisse Rettung und Perspektiven zu entwickeln.
Ausgewählte Obstbaumbestände und -reihen in der Agrarlandschaft wurden im Rahmen des Projektes „Obstalleen erhalten – Bestäuber fördern“ gepflegt und durch Neupflanzungen verjüngt. Es konnten auf insgesamt rund 30 ha Streuobstfläche und rund 10 km Obstbaumreihe 2.172 Bäume gepflegt und 240 Bäume neu gepflanzt werden. Das Hauptaugenmerk der durch qualifizierte Baumwarte ausgeführten Maßnahmen zielte auf Langlebigkeit der Bäume und Habitaterhalt ab. Die Pflege erfolgte von ausgebildeten Baumwarten und Baumwartinnen nach den Standards des Handlungskonzeptes Streuobst Thüringen.
Um auch Privatpersonen eine fachgerechte Pflege eigener Streuobstbestände zu ermöglichen, konnten innerhalb des Projektes in elf Kursen zu Jung-, und Altbaumschnitt bzw. Veredelung 196 Teilnehmende zur offiziellen Schnittqualifikation weitergebildet werden.
Ein zentraler Punkt in unserem Bemühen um die Streuobstbestände der Region ist es, langfristige Perspektiven zu schaffen. Dazu gehört, ein tragfähiges Netzwerk der regionalen Streuobstakteure für die Erhaltung und Pflege, aber auch für die Nutzung zu knüpfen und bestehende Initiativen einzubeziehen. Qualifizierungsmaßnahmen von Akteuren vor Ort, wie Gemeindearbeitern, Mitglieder ortsansässiger Vereine und Eigentümer, durch tages- bis mehrwöchige Schnittkurse zu Baumwarten, ermöglichen die langfristige Pflege. Auch Nistplatzangebote wie Bienenhotels, Lehm- und Steinhaufen werden für Blütenbestäuber angelegt. Durch aktive Menschen vor Ort, im idealen Fall durch Aktionen wie das Bauen von Wildbienenhotels oder gemeinsames Apfelsaftpressen, rücken die Streuobstwiesen wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung.

Obstalleen erhalten – Bestäuber fördern
Biotopverbund zwischen und in den Schutzgebieten und der Agrarlandschaft zur Förderung der Insektenbestäubung
Streuobstwiesen erfreuen in Vollblüte Spaziergänger und erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Sie sind halboffene Landschaften, die sowohl Lebewesen lichter Wälder und natürlicher Waldsäume als auch Arten des Offenlandes als Lebensraum dienen. Gerade durch diese Strukturvielfalt können Streuobstwiesen eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen. Es gibt Bestände, auf denen über 1.000 Insekten- und Spinnenarten nachgewiesen wurden!


Am offensichtlichsten ist der Nutzen von Streuobstwiesen für pollen- und nektarsammelnde Insekten wie Wildbienen, die zur Blütezeit von Bäumen und Kräutern ein reiches Angebot finden und ganz nebenbei wichtige Bestäubungsarbeit leisten. Die Larven von Schmetterlingen, Käfern und Blattwespen laben sich an den Blättern der Bäume. Darüber hinaus bieten insbesondere die dicken Äste und Stämme älterer Bäume mit ihrer rissigen, teils mit Moosen und Flechten bewachsenen Borke reichlich Verstecke für vielerlei Insekten und Spinnentiere. Auch Höhlenbrütern bieten sehr alte Bäume oft ein Zuhause. Die große Insektenvielfalt bildet die Nahrungsgrundlage für Tierarten, die weiter oben in der Nahrungspyramide stehen. Vögel wie der stark gefährdete Gartenrotschwanz oder Fledermäuse sind nur einige hiervon.
Obstbaumreihen in der Agrarlandschaft bieten zusätzlich Schutz vor Winderosion, wirken als Schattenspender und dienen als wichtige Lebensräume. Sie sind die „Trittsteine“ zwischen den Streuobstwiesen. Streuobstwiesen sind ein altes Kulturgut und prägen unsere Landschaft vom Eichsfeld bis in den Wartburgkreis. Streuobstbestände sind aber aufgrund von Überalterung, mangelnder oder falsche Pflege und ausbleibender Nachpflanzung, in den letzten 30 bis 50 Jahren, in einem mangelhaften Zustand und somit mit ihrer gesamten Vielfalt stark gefährdet.
Das Obst wird wenig bis gar nicht geerntet und verwertet, ebenso sind die Flächen nicht mehr für die immer größer werdenden landwirtschaftlichen Maschinen geeignet und liegen oft brach und verbuschen zunehmend.
Um einen klaren Fokus auf den Gefährdungsgrad von Wildbienen zu legen, einen positiven Effekt zu bewirken, diesen nachzuweisen und einen Wissensanstieg für weitere Insektenprojekte zu erhalten, wird eine Evaluierung der Projektergebnisse über die Wildbienenerfassung erfolgen.
Der Bewilligungszeitraum war vom 16. Mai 2022 bis zum 31. März 2025.






