Hirschkäfer – Landschaftspflegeverband Eichsfeld-Hainich-Werratal e.V.

Hirschkäfer-Residenz Eisenach

Biotopverbund zwischen den Natura 2000-Gebieten „Nordwestlicher Thüringer Wald“ und  „Hörselberge“ zur Förderung der Hirschkäfer Population und deren Ausbreitung

Der Hirschkäfer Lucanus cervus ist stark gefährdet und kommt in Thüringen, im Gegensatz zu manch anderen Bundesländern, nur noch in wenigen, stark voneinander isolierten, Populationen vor. Der Hirschkäfer ist in unserer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft zum Kulturfolger geworden. Damit hat er es geschafft, die Gefahr des Aussterbens zu verringern. Die Strukturen der heutigen Wälder haben sich geändert. Selbst beim Vorhandensein größerer Areale Eichenwälder, dem bisher Primärhabitat dieser Art, nutzen Hirschkäfer überwiegend offene Landschaften an Waldrändern oder mit Baumgruppen verschiedenster Artenzusammensetzung. Siedlungsräume mit Baumbeständen, Gärten oder in Obstbaumkulturen, scheinen heute die Hauptlebensräume für Hirschkäfer dazustellen, vorausgesetzt, dass sie geeignetes Totholz (Baumstümpfe) als potentielle Brutstätten bereitstellen.

Alt- und totholzreiche Streuobstwiesen und u.a. wärmebegünstigten Halboffenbereiche mit altem Gehölzbestand sind ein Ersatzlebensraum dieses imposanten Käfers geworden: Durch die Erhaltung und Pflege dieser bleibt auch ein Lebensraum für den Hirschkäfer erhalten, von dem aus sich die Art zukünftig wieder in nahe gelegene Wälder ausbreiten kann. Im gesamten Fortpflanzungsverhalten kommt der Brutstätte eine zentrale Bedeutung zu, dabei ist die Vernetzung der Brutstätten eine Grundvoraussetzung. Die Distanz, welche die Käfer von der Brutstätte zur Baumsaft-Leckstelle zurücklegen ist vom Angebot abhängig, kann aber bis zu 1 bis 2 km betragen.

Die Hauptbrutstätten der Hirschkäfer in Eisenach liegen wohl in den Gärten des Süd- und Westviertels. Hier existieren sehr alte Baumbestände unterschiedlichster Artenzusammensetzung. Dies bringt aber auch große Gefahren mit sich. Viele Straßenopfer werden jährlich in Eisenach gezählt, auch sind sich sicherlich nicht alle Gartenbesitzer im Klaren, was sie bei Gartenarbeiten eventuell aus dem Boden graben. Die Hirschkäfer-Weibchen legen ihre Eier 30 bis 50 cm tief in die Erde, an morschen Wurzelstöcken. Bis zur Entwicklung benötigen die Larven bis zu fünf bis acht Jahr bis zur Verpuppung. Im Frühjahr verlassen die Käfer die Erde und benötigen für die Reifung ihrer Keimzellen Baumsaft als Nahrungsquelle. Männchen verteidigen die Baumsaft- Leckstellen (an Bäumen u.a. Eiche, Linde, Kastanie und auch Obstgehölz mit anhaltendem Saftfluss) gegen über den Artgenossen und warten dort auf das Weibchen.

Gerade die letzten Trockenjahre sorgten auch in den Wäldern in und um Eisenach dafür, dass der Totholzbestand extrem zunahm. Aufgrund der Totalreservatsituation verbleibt das Totholz auch im Wald und erhöht nun auch das Potential für das Zurückkehren des Hirschkäfers in den Wald. Für die Trittsteinschaffung sollen im Projekt Hirschkäferwiegen (Brutstätten) geschaffen und mit Informationstafeln versehen werden.

Der Hirschkäfer kann langfristig nur überleben, wenn geeignete Habitate (zur Neubesiedlung) vorhanden sind und miteinander vernetzt werden. Das vorliegende Projekt sieht eine vorgeschaltete Flächenauswahl vor. Für die Langfristigkeit soll dann u.a. die geeigneten Flächen in eine dauerhafte Nutzung kommen. Dabei ist vor allem eine Sicherung der Beweidung durch Schafe und/oder Ziegen (im Optimalfall) von großer Bedeutung.

Die geplante Öffentlichkeitsarbeit soll sich in die vorhandenen Strukturen der BUND Kreisgruppe, des Landschaftspflegeverbandes, den zuständigen Forstämtern und den Kommunen integrieren. Hierbei ist vor allem angedacht die vorhandenen Medien- bzw. die Social Media Plattformen zu nutzen, um den Käfer publik zu machen und damit auch für die Nachhaltigkeit des Projektes zu sorgen. Die Stadt Eisenach und der umliegende Wartburgkreis zur „Hirschkäferregion/-stadt“ werden lassen und damit der UNESCO Welterberegion Warburg Hainich zu J. S. Bach, M. Luther und der Wildkatze eine weitere „Berühmtheit“ geben.