Beweidung – Landschaftspflegeverband Eichsfeld-Hainich-Werratal e.V.

Offenhaltung der (Halb)trockenrasen in FFH-Gebieten in Westthüringen durch Schaf- und Ziegenbeweidung mit Förderung des Biotopverbundes

Die Mehrzahl der Kalkmagerrasen, Hutungen und Wacholderheiden verdankt ihre Entstehung der über Jahrhunderte praktizierten Hüteschäferei. Mit über 500 Pflanzenarten sind Kalkmagerrasen die artenreichsten Pflanzengesellschaften des Grünlandes. Das Land Thüringen trägt im Rahmen von Natura 2000 die Verantwortung den Bestand an Kalkmagerrasen und Wacholderheiden dauerhaft zu erhalten. Schafe haben darüber hinaus eine besondere Funktion. Sie wirken als „Taxis“ für seltene Arten und helfen bei der Vernetzung von isolierten Lebensräumen, indem sie bei ihrer Wanderung über verschiedene Flächen Pflanzensamen, Insekten und sogar kleinere Reptilien in ihrer Wolle und im Verdauungstrakt transportieren. Sie fördern damit den Biotopverbund.

Viele der hochwertigen Naturschutzflächen in den FFH-Gebieten haben einen so geringen Aufwuchs, dass den Bedarf der Schafe nicht deckt und auch intensiveres Grünland aufgesucht werden muss. Der Weidedruck auf den Naturschutzflächen ist dann häufig zu gering, die Flächen verbuschen und dies erschwert das Beweidungsmanagement bzgl. naturschutzfachlicher Ansprüche stark. Dazu kommt, dass aufgrund der fragmentierten Landschaft und kleinflächigen Offenlebensräumen in den FFH-Gebieten der Schäfer mit seiner Schafherde sehr weite Strecken, oft auch länger über öffentlich Straßen, zurücklegen bzw. auf einen mobilisierten Transport zurückgreifen muss, um alle naturschutzrelevanten Flächen beweiden zu können. Dies bedeutet oft nicht nur den Transport der Tiere, sondern auch den Transport des täglich benötigten Wassers, um der artgerechten Haltung gerecht zu werden. Die Hütehaltung verlangt je nach Herdengrößen und Verfahren einen ca. 25 – 50 % höheren Arbeitszeitaufwand als das Koppeln und ist kaum noch zu finden in Thüringen. Auch das Mitführen von Ziegen, die unabdingbar sind gegen weitere Verbuschung, erfordern oft eine höhere Aufwendung.

Gesellschaftlich sind die Leistungen der Schäfer, ob in Hüte- oder Koppelhaltung, in der Landschaftspflege unverzichtbar. Förderprogramme tragen dem Rechnung, berücksichtigen aber nicht die überdurchschnittlichen Kosten, die bei einer naturschutzfachlichen Offenhaltung von FFH-Gebieten durch Schafbeweidung entstehen. Die Zahl der Schäfer ist Rückläufig und die wenigen noch verbleibenden Betriebe stehen dem Druck aufgrund der nötigen Mobilität und dem Interesse von Natur- und Umweltschützern gegenüber. Eine naturschutzfachliche Betreuung durch ein abgestimmtes Beweidungsmanagement ist von Nöten, damit (z.B. während der Blütezeit von Orchideen oder der Flugzeit der Schmetterlinge) Teilflächen ausgespart oder eingezäunt werden.

Die Zielstellung des Projektes liegt auf der dauerhaften Freihaltung der FFH-Offenlandlebensräume vor allem den Kalkpionierrasen, der Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen und der Wacholderheiden und damit auf der Verhinderung einer drohenden erneuten Verbuschung. Damit verbunden auch die Berücksichtigung und Förderung der dort vorkommenden besonderen Offenlandarten. Durch Beweidungskonzepte soll ein dauerhafter Biotopverbund über die FFH-Gebiete hin zum Grünen Band, Richtung Hessen geschaffen werden. Dazu muss ein Schaf- und Ziegenhalter (landwirtschaftlicher Betriebe, gemeinnützige Institutionen oder Vereine) in die Lage versetzt werden, langfristig die Flächen eigenverantwortlich mit seinen Tieren zu beweiden und zugleich kostendeckend bewirtschaften zu können. Im Förderzeitraum sollen schaf- und ziegenhaltende Betriebe/Institutionen naturschutzfachlich begleitet werden und eine Ausweitung von weiteren FFH-relevanten Flächen im Flächenpool von Landschaftspflegeherden stattfinden, ohne ökonomische Verluste zu erleiden bzw. die Beweidungstiere an Fitness verlieren und eine Langfristigkeit gegeben ist. In Kooperation mit dem Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal, der Thüringer Stiftung Naturschutz soll eine Zusammenarbeit mit dem BfN-Hotspot Projekt „Schaf schafft Landschaft“ , in Trägerschaft der Universität Kassel, erfolgen um die Hotspotregion 17 „Werratal mit Hohem Meißner und Kaufunger Wald“ und deren Pufferbereich im Gesamtkonzept zu entwickeln und auch die vom Hotspot-Projekt angestrebte Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung und Naturtourismusförderung auf die Thüringer Hotspotkulisse zu übertragen. Auch soll ein intensiver Austausch mit den bereits bestehenden Projekten in Thüringen, wie z.B. „Weidewonne“ erfolgen.   


Kooperationspartner

Verbundprojekt „Schaf schafft Landschaft“ –
» SchafLAND17